Es begann mit einem einzigen Satz in einer Bloomberg-Meldung vom 1. April 2026: SpaceX hat vertraulich eine IPO-Einreichung bei der US-Börsenaufsicht SEC vorgenommen.
Viele hielten es für einen Aprilscherz. Es war keiner.
Was an diesem Tag als vertrauliches Dokument bei der SEC landete, ist heute das größte Börsenprospekt der Börsengeschichte. 75 Milliarden Dollar Emissionsvolumen. Eine Bewertung von 1,75 Billionen Dollar. Ein erster Handelstag, der am 12. Juni 2026 Geschichte schrieb. Der SpaceX IPO ist kein gewöhnliches Börsendebüt. Er ist ein Ereignis, das die Geschichte des Kapitalmarkts neu schreibt — und das Anleger in Deutschland direkt betrifft, ob sie die Aktie kaufen oder nicht.
Dieser Artikel erzählt die vollständige Geschichte dieses IPOs: Was im S-1-Prospekt wirklich steht, was die klügsten Köpfe an der Wall Street sagen, welche Details kaum jemand kennt — und was als nächstes passiert.
Der Weg zum Börsengang: Von der Geheimhaltung zur Roadshow
April 2026: Das vertrauliche S-1-Filing
Am 1. April 2026 berichteten Bloomberg, Reuters und CNBC übereinstimmend, dass SpaceX vertraulich die Einreichung für einen Börsengang bei der SEC vorgenommen hatte. „Vertraulich“ bedeutet im US-Börsenrecht: Das Unternehmen zeigt seine Absicht an, die öffentlichen Unterlagen aber werden erst später veröffentlicht.
Fünf Tage später, am 6. April, legte SpaceX-CFO Bret Johnsen — der seit 2011 als Finanzvorstand des Unternehmens fungiert und den gesamten Kapitalaufbau über zwei Jahrzehnte verantwortet hat — in einem internen Bankenmeeting den konkreten Fahrplan offen: Roadshow-Start am 4. Juni. Pricing am 11. Juni. Erstnotiz an der Nasdaq am 12. Juni unter dem Ticker SPCX.
Intern trägt das Projekt den Codenamen „Project Apex“. Nicht zufällig: Apex bedeutet Scheitelpunkt, Gipfel, höchster Punkt. SpaceX-intern war das Versprechen klar: Dies wird der größte Börsengang aller Zeiten.
Mai 2026: Der S-1-Prospekt erscheint — und enthüllt alles
Am 20. Mai 2026 wurde das S-1-Dokument veröffentlicht. 500+ Seiten. Jede Zahl rechtlich verbindlich. Was darin stand, überraschte selbst erfahrene Analysten.
Begleitet wird der Deal von einem Konsortium aus rund 21 Banken. Lead-Underwriter sind Goldman Sachs und Morgan Stanley — zwei Namen, die in der IPO-Welt für die schwergewichtigsten Transaktionen stehen. Die bloße Zusammensetzung des Konsortiums signalisiert: Das ist kein gewöhnlicher Börsengang.
Juni 2026: Roadshow, Pricing, erster Handel
Ab dem 4. Juni startete die institutionelle Roadshow. In weniger als einer Woche trafen Johnsen und das SpaceX-Management auf die wichtigsten institutionellen Investoren der Welt. Das Ergebnis war eindeutig: Am 10. Juni wurde das Orderbuch geschlossen. Investorennachfrage: über 250 Milliarden Dollar. Angebot: 75 Milliarden Dollar. Das Orderbuch war mehr als dreifach überzeichnet.
Am 11. Juni folgte das Pricing. Der finale Ausgabepreis: 135 US-Dollar je Aktie. Am 12. Juni, heute, öffnete die Nasdaq. Die SPCX-Aktie eröffnete bei 150 Dollar. Der erste Schlusskurs der Geschichte liegt damit 11 Prozent über dem Ausgabepreis. Im Tagesverlauf stieg der Kurs auf bis zu 176,52 Dollar.
Saudi Aramco hatte 2019 mit 29 Milliarden Dollar den damaligen IPO-Rekord gesetzt. SpaceX hat ihn mehr als verdoppelt.
Warum geht SpaceX jetzt an die Börse?
Das ist die Frage, die viele nicht stellen — und die doch zentral ist. SpaceX war über zwei Jahrzehnte lang profitabel ohne öffentliche Kapitalmärkte. Es hat keine Notwendigkeit, Geld zu beschaffen, um zu überleben. Warum also jetzt?
Die Antwort liegt im S-1 selbst, und sie ist mehrdimensional.
Erstens: xAI braucht Kapital. Die Übernahme von xAI im Februar 2026 war ein All-Share-Deal — SpaceX hat keine Cash ausgegeben, sondern Aktien getauscht. Aber xAI verbrennt Kapital in einem Tempo, das eine externe Finanzierungsquelle nahelegt. Der Kapitalmarkt gibt SpaceX Zugang zu Milliarden, ohne Schulden aufzunehmen.
Zweitens: Mitarbeiter und frühe Investoren wollen Liquidität. SpaceX hat über 22.000 Mitarbeiter, von denen viele über Jahre Aktienanteile angesammelt haben. Ohne Börsennotierung ist dieses Vermögen auf dem Papier, aber nicht greifbar. Ein IPO schafft eine Plattform für Liquidität — kontrolliert, gestaffelt, aber real.
Drittens: Starship braucht Milliarden. Die Entwicklung des vollständig wiederverwendbaren Starship-Systems ist das teuerste Infrastrukturprojekt der privaten Weltraumfahrt. Die 75 Milliarden Dollar Emissionserlös fließen vollständig an SpaceX — kein einziger Dollar geht an existierende Aktionäre. Das ist ein wichtiges Detail des IPO-Designs.
Das „All-Primary“-Konzept: Der SpaceX-Börsengang ist als sogenanntes All-Primary-Offering strukturiert. Das bedeutet: Alle neu ausgegebenen Aktien sind frische Aktien, deren Erlöse direkt an das Unternehmen gehen. Kein bestehender Aktionär verkauft bei diesem IPO auch nur eine einzige Aktie. Der gesamte Emissionserlös von 75 Milliarden Dollar landet in der SpaceX-Kasse.
Das ist ungewöhnlich für einen Börsengang dieser Größe und sendet ein Signal: Die Gründer und Investoren glauben nicht, dass jetzt der optimale Ausstiegszeitpunkt ist. Sie liquidieren nicht — sie kapitalisieren das Unternehmen für die nächste Phase.
Wie der SpaceX-IPO den MSCI World und deutsche Sparpläne verändert
Ein Aspekt, der in deutschen Medien kaum diskutiert wird, hat direkte Auswirkungen auf Millionen von Sparplan-Inhabern.
Der MSCI World ist der wichtigste Aktienindex für deutsche Privatanleger. Über 500 Milliarden Euro sind in deutschen ETF-Sparplänen investiert, die den MSCI World abbilden — in Riester-Renten, Rürup-Konten, betrieblichen Altersvorsorgeprogrammen und privaten Sparplänen. Bei einer Marktkapitalisierung von über 1,75 Billionen Dollar qualifiziert SpaceX automatisch für die Aufnahme in den MSCI World.
Die Konsequenz: Wer heute einen MSCI-World-Sparplan bespart, wird in den nächsten Monaten automatisch SpaceX im Portfolio haben — ohne eine Kaufentscheidung getroffen zu haben. Der passive Kapitalzufluss, der durch Indexumgewichtungen entsteht, ist in seiner Größenordnung schwer abzuschätzen, aber sicher erheblich.
Für Anleger, die das bewusst nicht wollen, gibt es technisch keine einfache Möglichkeit, SpaceX aus einem MSCI-World-ETF-Sparplan auszuschließen. Das ist die Logik passiver Investitionen: Man kauft den Index — nicht die Einzeltitel, die darin sind.
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Was der S-1-Prospekt wirklich enthält
Die Finanzzahlen: Starlink trägt, xAI verbrennt
Der SpaceX-Konzern ist finanziell zweigespalten. Das muss man verstehen, bevor man über Bewertungen spricht.
Das Connectivity-Segment (Starlink) erzielte 2025 einen Umsatz von 11,387 Milliarden US-Dollar — 61 Prozent des Gesamtumsatzes von 18,674 Milliarden. Der operative Gewinn lag bei 4,423 Milliarden. Die EBITDA-Marge: 63 Prozent. Starlink ist damit eines der profitabelsten Infrastrukturgeschäfte der Welt, mit über 10 Millionen Abonnenten in 164 Ländern und mehr als 9.600 Satelliten im Orbit.
Das KI-Segment (xAI, Grok, X) hingegen verbuchte 2025 einen operativen Verlust von 6,36 Milliarden US-Dollar. Das ist keine kleine Zahl — sie entspricht fast dem 1,5-fachen des Starlink-Gewinns. Die Folge für den Konzern: ein Nettoverlust von 4,937 Milliarden Dollar im Jahr 2025, nach einem Gewinn von 466 Millionen im Jahr davor. Im ersten Quartal 2026 setzte sich das fort: 4,694 Milliarden Umsatz, 1,943 Milliarden operativer Verlust.
Der Konzern hält 24,8 Milliarden Dollar Cash, 92 Milliarden Dollar Gesamtvermögen und 50,8 Milliarden Dollar Verbindlichkeiten. Die Bilanz ist solide. Die P&L ist im Umbau.
Das Detail, das kaum einer kannte: 18.712 Bitcoin
Versteckt auf Seite 312 des S-1-Prospekts steht ein Satz, der die Krypto-Community zum Explodieren brachte: Zum 31. März 2026 hält SpaceX exakt 18.712 Bitcoin in seiner Bilanz.
Die Anschaffungskosten lagen bei 661 Millionen US-Dollar, was einem Durchschnittseinstiegspreis von rund 35.300 Dollar je Bitcoin entspricht. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung war diese Position bereits 789 bis 800 Millionen Dollar im Plus — eine Rendite von über 120 Prozent auf die Anlage.
Das Bemerkenswerte: On-Chain-Analysten wie Arkham Intelligence hatten SpaceX bisher nur rund 8.285 BTC in öffentlich bekannten Wallets zugeordnet. Das S-1 enthüllte, dass die tatsächliche Position mehr als doppelt so groß war — in einem verwahrten Konto bei einem regulierten Custodian, für On-Chain-Tracker unsichtbar.
Damit ist SpaceX — neben MicroStrategy, das 843.000+ BTC hält — eines der größten börsennotierten Unternehmenshalter von Bitcoin weltweit. Die strategische Bedeutung: Mit der Aufnahme in den Nasdaq-100 würde Bitcoin-Exposure indirekt in Hunderte von ETFs einfließen, die diesen Index abbilden. Bitcoin, das man nie direkt gekauft hat, würde in vielen deutschen Sparplänen landen.
Der Analyst-Krieg: Was die klügsten Köpfe sagen
Nirgendwo ist die Meinungsspaltung beim SpaceX-IPO so drastisch wie bei den unabhängigen Analysten. Vier Stimmen sind besonders relevant.
Goldman Sachs: Der optimistische Underwriter
Goldman Sachs ist Lead-Underwriter des Deals — und damit nicht unparteiisch. Trotzdem sind die Zahlen, die die Bank im Rahmen der Roadshow präsentiert hat, bemerkenswert.
Goldman projiziert, dass der SpaceX-Konzernumsatz bis 2030 auf rund 474 Milliarden US-Dollar steigen könnte — wovon allein 322 Milliarden auf das KI-Segment entfallen würden. Zum Vergleich: Das KI-Segment erzielte 2025 rund 3,2 Milliarden Dollar Umsatz. Goldman erwartet bis 2026 ein Umsatzwachstum in der KI-Sparte von 388 Prozent auf 15,6 Milliarden Dollar, gefolgt von 34,5 Milliarden im Jahr 2027.
Das sind Zahlen, die man mit Vorsicht genießen muss. Underwriter-Prognosen dienen dem Zweck, institutionelle Investoren für den Deal zu gewinnen. Sie sind keine unabhängigen Analysen. Sie markieren das optimistische Ende der Meinungsskala.
ARK Invest: Die Visionärin
Cathie Wood, Gründerin von ARK Invest, ist bekannt für radikale, langfristige Wachstumswetten. Für SpaceX projiziert ARK ein Enterprise Value-Ziel von 2,5 Billionen Dollar bis 2030 — und beschreibt die IPO-Bewertung von 1,75 Billionen als „in einer plausiblen Entwicklung begründet“ für Starlink, Starship und die KI-Sparte.
ARK sieht in SpaceX das Konvergenzpotenzial von drei exponentiellen Wachstumskurven gleichzeitig: Satellitenkommunikation, Raumfahrt als Infrastruktur und KI als Plattform. Wenn alle drei aufgehen, ist 2,5 Billionen konservativ.
Morningstar: Der nüchterne Gegenpol
Morningstar-Analyst Nicolas Owens ist das Gegengewicht. Er hat im Juni 2026 eine formale Discounted-Cashflow-Bewertung veröffentlicht und kommt auf einen fairen Wert von rund 780 Milliarden Dollar — 55 Prozent unter der IPO-Bewertung von 1,75 Billionen.
Seine Kernthesen: Das Raketensegment und Starlink rechtfertigen zusammen etwa 611 Milliarden Dollar. Die KI-Sparte erhält weitere 170 Milliarden. Mehr nicht. Owens beschreibt xAI als „materielle Gefahr der Wertvernichtung“ und stellt klar, dass eine Bewertung von 1,75 Billionen Dollar bis 2030 jährliche Umsätze von über 100 Milliarden Dollar mit einem jährlichen Wachstum von über 40 Prozent erfordern würde — über fünf Jahre hinweg, ohne nennenswerte Unterbrechung.
Owens empfiehlt langfristigen Anlegern explizit, auf die Post-Lock-up-Preisfindung zu warten. Der erste Insider-Verkaufszeitraum öffnet, sobald die Q2-2026-Ergebnisse vorliegen — erwartet für August 2026.
Michael Burry: Der Warner
Michael Burry, bekannt geworden durch seine Wette gegen den US-Immobilienmarkt 2008, vergleicht die aktuelle Welle großer Tech- und KI-Börsengänge offen mit der Dotcom-Blase. Zu SpaceX sagt er, die IPO-Unterlagen rechtfertigten keine Bewertung von ein bis zwei Billionen Dollar bei den aktuellen Finanzkennzahlen.
Das ist kein Todesurteil. Burry hat auch bei Tesla früh gewarnt — und lag langfristig falsch. Aber bei einem KUV von 94 und einem Nettoverlust von fast fünf Milliarden Dollar gehört seine Stimme zur ehrlichen Bestandsaufnahme.
Die Passive-Capital-Maschine: Warum der Nasdaq-100 alles verändert
Hier liegt einer der am wenigsten diskutierten, aber wichtigsten Aspekte des SpaceX-IPOs.
Am 1. Mai 2026 hat Nasdaq seine Indexaufnahmeregeln angepasst. Bisher musste ein neu notiertes Unternehmen mindestens drei Monate auf die Aufnahme in den Nasdaq-100 warten. Mit der neuen Regel können Megacap-IPOs bereits nach 15 Handelstagen aufgenommen werden. FTSE Russell hat die Wartefrist sogar auf fünf Handelstage verkürzt.
Was bedeutet das konkret? Der Nasdaq-100 wird von mehr als 200 Anlageprodukten mit einem verwalteten Vermögen von über 600 Milliarden US-Dollar abgebildet — allein der Invesco QQQ Trust verwaltet rund 430 Milliarden. Alle diese Fonds sind bei einer Indexaufnahme verpflichtet, SPCX-Aktien zu erwerben. Preisunempfindlich. Innerhalb weniger Handelstage.
Bloomberg Intelligence schätzt, dass SpaceX ein Gewicht von 0,47 bis 0,7 Prozent im Nasdaq-100 erhalten würde. Das entspricht einem erzwungenen passiven Kapitalzufluss von rund 600 Milliarden US-Dollar — Geld, das keinen Kaufknopf drückt, weil es das von Natur aus tun muss.
Für deutsche Anleger hat das eine besondere Bedeutung: Wer heute einen Nasdaq-100-ETF als Sparplan hat — etwa über die ETF-Plattformen von Trade Republic, Scalable Capital oder in der betrieblichen Altersvorsorge — wird SpaceX möglicherweise in seinem Portfolio haben, ohne je aktiv eine Kaufentscheidung getroffen zu haben.
Das ist strukturell bullisch für die SPCX-Aktie, unabhängig von der Frage, ob die Bewertung gerechtfertigt ist.
Die Lock-up-Struktur: Wann kommen die Insider-Verkäufe?
Das ist das Thema, das in den meisten Artikeln zu kurz kommt — und das für den Kursverlauf in den nächsten zwölf Monaten entscheidend sein wird.
Die meisten Börsengänge haben eine einfache Regel: Insiderverkäufe sind für 180 Tage nach dem IPO gesperrt. SpaceX hat das komplexer geregelt — mit elf gestaffelten Lock-up-Fenstern.
Das erste Fenster öffnet bereits zwei Tage nach Veröffentlichung der Q2 2026-Ergebnisse. Q2-Ergebnisse sind für August 2026 erwartet. Das bedeutet: Ab August könnten erste Insider bis zu 20 Prozent ihrer Aktien verkaufen. Danach folgen weitere Teilentsperrungen, bis nach einem Jahr alle Altaktionäre ihre Anteile frei veräußern können. Der finale Lock-up für Musk selbst läuft über 366 Tage — er darf seine Aktien frühestens ein Jahr nach dem IPO verkaufen.
Warum ist das wichtig? Weil das Muster bei großen IPOs regelmäßig ist: Die Aktie steigt in den ersten Wochen auf dem Rücken von Knappheit und Euphorie. Dann eröffnet das erste Lock-up-Fenster, und Insider realisieren Gewinne. Der Markt korrigiert. Wer diesen Mechanismus versteht, kann ihn einplanen — und möglicherweise von günstigeren Einstiegspunkten profitieren.
Beim Facebook-IPO 2012 fiel die Aktie nach dem ersten großen Lock-up-Ablauf um weitere 30 Prozent, bevor die Erholung begann. Das ist keine Prognose für SPCX — aber eine Erinnerung daran, dass die ersten Wochen nach einem IPO oft die volatilsten des gesamten Kursverlaufs sind.
Der Golden-Dome-Kontrakt: Der Faktor, der kaum beachtet wird
Ende Mai 2026 schloss SpaceX staatliche Aufträge im Wert von 6,45 Milliarden US-Dollar ab — als Kernlieferant des „Golden Dome“-Raketenschildprogramms der US-Regierung. Das ist der größte Einzelvertrag in der Unternehmensgeschichte von SpaceX.
Golden Dome ist das US-amerikanische Raketenabwehrschild-Programm, das unter der aktuellen Regierung massiv ausgebaut wird. SpaceX soll Teile der Infrastruktur liefern — Starship-Fähigkeiten für den Transport von Abwehrkomponenten in den Orbit, Starlink für die Datenkonnektivität.
Das hat zwei direkte Auswirkungen auf den Investmentcase. Erstens: Es erhöht die US-Regierung als institutionellen Großkunden von SpaceX weiter, neben den bereits bekannten 22-Milliarden-Dollar-Starlink-Verträgen. Zweitens: Es macht SpaceX zu einem verteidigungsstrategischen Akteur, der politisch nur schwer zu ersetzen ist.
Ein Unternehmen, das für das wichtigste US-Raketenabwehrprogramm zuständig ist, wird nicht so behandelt wie ein normales Tech-Startup. Das ist strukturell wertvoll — und in der öffentlichen Diskussion über den SpaceX-IPO deutlich unterrepräsentiert.
Was nach dem IPO passiert: Der Fahrplan für SPCX-Anleger
Die Erstnotiz ist heute. Aber für Anleger beginnt das eigentliche Spiel jetzt erst.
August 2026: Erste Q2-Ergebnisse als börsennotiertes Unternehmen
Das wird das erste Mal sein, dass SpaceX als öffentliches Unternehmen Quartalsergebnisse mit segmentgenauen Zahlen veröffentlicht. Starlink-Abonnentenwachstum, KI-Verluste im Detail, Starship-Entwicklungsstand. Diese Zahlen werden den Kurs bewegen — nach oben oder nach unten. Gleichzeitig öffnet das erste Lock-up-Fenster für einen Teil der Insider.
Ende Juni / Anfang Juli 2026: Mögliche Nasdaq-100-Aufnahme
Wenn Nasdaq die neue 15-Tage-Regel anwendet, könnte SPCX bereits Ende Juni im Nasdaq-100 sein. Das würde automatische Käufe aus Indexfonds im dreistelligen Milliardenbereich auslösen — unabhängig vom Fundamentalwert.
Ende 2026: Größerer Lock-up-Ablauf
Die meisten Analysten erwarten die erste große Lock-up-Welle für Ende 2026. Das ist der Moment, an dem ein spürbarer Verkaufsdruck durch Insider und frühe Investoren entstehen könnte. Historisch waren solche Lock-up-Abläufe bei hochprofilierten IPOs Kaufgelegenheiten für geduldige Anleger.
2027: Starship-Status entscheidet über das Narrativ
Wenn Starship bis Ende 2027 erste kommerzielle Missionen fliegt — NASA Artemis, kommerzielle Mondprogramme — wird es das langfristige Narrativ der Aktie stärken. Verzögerungen werden Druck erzeugen.
Für deutsche Anleger: Der praktische Leitfaden
Zugang: Ticker SPCX, WKN A42D4F, ISIN US84615Q1031. Handelbar ab sofort über alle gängigen deutschen Broker: Trade Republic, Scalable Capital, Flatex, comdirect, ING und Interactive Brokers. Auf Xetra und Frankfurt parallel zur US-Eröffnung ab 15:30 Uhr.
Handelsregel Nr. 1: Limitauftrag, keine Market-Order. Bei einem IPO dieser Größe kann der Kurs in Minuten um zweistellige Prozentpunkte schwanken. Ohne Limit weiß man nicht, zu welchem Preis man kauft.
Steuer: Kursgewinne unterliegen der deutschen Kapitalertragsteuer von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag. Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro gilt wie bei allen anderen Kapitalerträgen.
Für Sparplan-Inhaber: Wer einen Nasdaq-100-ETF bespart, sollte im Juli prüfen, ob SPCX bereits im Index ist. Dann ist eine direkte Einzelinvestition möglicherweise redundant.
Strategie: Wer langfristig glaubt und Kapital hat, das er mindestens drei bis fünf Jahre entbehren kann: eine erste, kleine Position heute aufbauen. Den Großteil nach dem ersten Lock-up-Ablauf und nach dem ersten veröffentlichten Quartalsbericht investieren — dann gibt es echte Zahlen statt Prognosen.
Fazit: Der IPO als Startpunkt, nicht als Ziel
Der SpaceX IPO 2026 ist mehr als ein Börsendebüt. Er ist ein Strukturereignis im globalen Kapitalmarkt. Ein Unternehmen mit 1,75 Billionen Dollar Bewertung, das gleichzeitig das profitabelste Satellitennetz der Welt, die ambitionierteste Raumfahrttechnologie und eine noch unerprobte KI-Strategie in sich vereint.
Die ehrliche Einschätzung: Goldman Sachs sieht das Potenzial für 474 Milliarden Dollar Umsatz bis 2030. Morningstar setzt den fairen Wert bei 780 Milliarden — weniger als die Hälfte der IPO-Bewertung. Beide haben kompetente Analysten. Beide können nicht gleichzeitig recht haben.
Was das für einen Anleger bedeutet, hängt von einer einzigen Frage ab: Wie viel dieser Unsicherheit kann man tragen — und für wie lange? Wer die Antwort kennt, hat alles, was er für diese Entscheidung braucht.
Häufige Fragen zum SpaceX IPO 2026
Wann war der SpaceX Börsengang? Der erste Handelstag der SpaceX-Aktie (SPCX) war der 12. Juni 2026 an der Nasdaq. Das Pricing fand am 11. Juni 2026 statt, der Ausgabepreis lag bei 135 US-Dollar je Aktie.
Wie groß ist der SpaceX IPO? Mit einem Emissionsvolumen von 75 Milliarden US-Dollar und einer Bewertung von 1,75 Billionen Dollar ist der SpaceX-Börsengang der größte der Kapitalmarktgeschichte — mehr als doppelt so groß wie der bisherige Rekordhalter Saudi Aramco mit 29 Milliarden Dollar (2019).
Können deutsche Anleger SpaceX Aktien kaufen? Ja. Seit dem 12. Juni 2026 ist SPCX über alle gängigen deutschen Broker handelbar, darunter Trade Republic, Scalable Capital, Flatex, comdirect und ING. WKN: A42D4F, ISIN: US84615Q1031.
Was ist der Ausgabepreis der SpaceX Aktie? Der Ausgabepreis wurde am 11. Juni 2026 auf 135 US-Dollar je Aktie festgelegt. Die Aktie eröffnete am ersten Handelstag bei 150 Dollar und stieg intraday auf bis zu 176,52 Dollar.
Wann kommt SpaceX in den Nasdaq-100? Nach neuen Nasdaq-Regeln, die ab Mai 2026 gelten, können Megacap-IPOs bereits nach 15 Handelstagen in den Nasdaq-100 aufgenommen werden — das wäre für SpaceX frühestens Ende Juni 2026 möglich.
Hält SpaceX Bitcoin? Ja. Laut dem S-1-Prospekt hielt SpaceX zum 31. März 2026 exakt 18.712 Bitcoin, erworben zu einem Durchschnittspreis von rund 35.300 Dollar. Der unrealisierte Gewinn auf diese Position übersteigt 800 Millionen Dollar.
Was ist der interne Codename des SpaceX-IPOs? Intern trägt das IPO den Codenamen „Project Apex“. Das Unternehmen hat mit diesem Kürzel den Börsengang intern geplant und koordiniert.
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar und dient ausschließlich zu Informationszwecken. Investitionen in IPO-Aktien sind hochspekulativ und können zu einem Totalverlust führen. Bitte lese den offiziellen S-1-Prospekt und konsultiere bei Bedarf einen zugelassenen Finanzberater.

